ich atme mich und dich

der letzte Tag
die letzte Nacht
im August
bringt Hitze und Laub
und
streicht mit zartem Luftzug Erinnerungen in mein Haar

ich weiß nicht wo ich war
ich weiß nicht wohin ich gehe

ich stehe
und sehe hinab auf das Land
und rieche all die Stunden
die Tage
die Jahre

ich stehe
und sehe
und rieche
die ganze Welt

ich atme mich und dich
stück für stück
jeden Tag

monochrom

ich gehe am Nachmittag
ich gehe am Morgen
ich atme den Seewind
salzig und fast etwas grob

Wolkenlücken

Sonnenlicht streicht zart über das Land und mein Gesicht
für einen Augenblick

mit der nächsten Wolke verblasst die Welt
monochrom
für den Rest des Tages

Tagträume

der Tag will der Nacht nicht weichen
kämpft sich wie ein Ertrinkender
immer wieder an die Oberfläche
verlangt nach Aufmerksamkeit

Tagträume
wälzen sich Nachts in fiebriger Unruhe

und manchmal
dauert ein Tag die ganze Nacht

Musik

Note für Note
Viertel
Achtel
Triolen
umspülen die Bäume
im Wind

spielen mit dem Laub
tanzen in Wirbeln über den Boden
steigen empor
und ziehen mit den Wolken davon

Auf dem Heimweg. Feierabend.

Auf dem Heimweg. Feierabend.
Dunkle Wolken ziehen vom starken Wind getrieben über den Himmel, geben immer wieder den Blick frei auf das Restblau des beginnenden Nachthimmels.
Leichter Nieselregen.
In der Ferne reißt die Wolkendecke erneut auf und das letzte Licht des Tages umspielt eine Kirchturmspitze, wie ein Heiligenbild.

allzu flüchtig war ich hier

im Widerhall der Welt
droht mein Herz zu zerspringen

meine Brust
hebt und senkt sich
in den Gezeiten des Lebens

Wellen des Ursprungs
tragen mich durch die Zeit
spülen mich an das Ufer
um mich mit der nächsten Flut wieder aufzunehmen
mich fortzutragen

es gibt kein Hier und Jetzt
es gibt nur ein Immer

Musik erfüllt die Luft
leise zart
nur einzelne Töne
ein Leben in Moll

alle Sinne werden eins
erfassen nichts
und wissen alles

allzu flüchtig war ich hier
träumte das Leben
bis ich auch das vergaß

mein Tag

heute fordere ich meinen Tag zurück
singe ihn mit meinem Bleistift herbei
und lasse ihn Platz nehmen
in meinen Gedanken

schreibend
schmecke ich ihn
rieche ich ihn
sehe ich ihn

eine Musik
eine Variation meiner selbst

ein Gedanke
verweht mit dem Herbstlaub
umspült vom Licht meiner Sonne